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Generaldirektorat für schöne
Künste
Leben des Heiligen Nikolaus:
Der
Hl. Nikolaus, der in der ganzen Welt als Weihnachtsmann bekannt ist, wurde
in Patara geboren, einer bedeutenden lydischen Stadt an der türkischen
Küste des Mittelmeeres.
Etwa 300 n. Chr. war Patara
eine reiche Stadt. Einem in der Stadt lebenden wohlhabenden Weizenhändler
wird zu der Zeit ein Sohn geboren, dem er den Namen Nikolaus gibt. Es wird
berichtet, dieser sei als ein Geschenk des Himmels auf die Welt gekommen,
als eine Frucht der Bittgebete seiner Eltern und die von ihnen
dargebrachte Opfer. Auch solle durch ihn die Rettung der Armen geschehen.
Man erzählt sich, dass er schon in seiner Jugend Wunder vollbrachte.
Demzufolge gelang es dem Hl. Nikolaus, als er beim Einsturz einer im Bau
befindlichen Kirche unter den Trümmern verschüttet worden war, sich aus
diesen Trümmern zu befreien, während er weinen seiner Mutter hörte.
Einige Zeit später, nach
dem Tode seines Vaters, blieb er als einziger Erbe zurück. Er beschloss,
dieses Erbe an die Armen zu verteilen. Zu jener Zeit verarmte einer der
reichsten Männer in Patara, und zwar so, dass er nicht mehr in der Lage
war, die Aussteuer für seine Töchter zu bezahlen. Während er sogar daran
dachte, seine Kinder zu verkaufen, hört der Hl. Nikolaus von dieser Sache
und beschließt, diesen Leuten zu helfen. Um sich nicht zu verraten und
auch um ihren Stolz nicht zu verletzen, geht er des Nachts in das Haus des
armen Mannes. Während die Mädchen schlafen, wirft er durch das geöffnete
Fenster der älteren Tochter einen Beutel Goldes, genug, um davon die
Aussteuer zu bezahlen. Des Morgens findet das Mädchen das Gold und ist von
Herzen froh, dass sie nun aus dieser misslichen Lage gerettet ist.
Später
möchte der Hl. Nikolaus auch das Geld für die Aussteuer der beiden anderen
Töchter überbringen; da aber die Fenster geschlossen sind, wirft er den
Beutel Goldes einfach zum Schornstein in das Haus hinein. So ist die
Geschichte von den Geschenken des Weihnachtsmannes entstanden. Aus diesem
Grunde auch wird der Hl. Nikolaus auf Ikonen und Bildern immer mit drei
goldenen Kugeln dargestellt.
Eine andere Geschichte aus
dem Leben des Hl. Nikolaus besagt, dass dieser sich auf die Pilgerfahrt
nach Jerusalem begibt. Auf der Rückfahrt kann er das Schiff nur mittels
seiner Gebete vor dem Untergang durch einen Sturm retten. Auch erweckt er
einen Seemann wieder zum Leben, der über Bord gegangen und im Meer
ertrunken war. Seit diesem Tage gilt der Hl. Nikolaus als Schutzpatron
aller Seefahrer.
Einige Zeit später
beschließt Nikolaus, aus der Stadt Patara in die Nachbarstadt Myra
umzusiedeln. Dort konnte man sich über den Nachfolger des gestorbenen
Erzbischofs von Myra nicht einig werden. Deshalb wurde beschlossen, dass
derjenige, der am nächsten Morgen als erster die Kirche betreten würde,
der Nachfolger sein solle. Der Hl. Nikolaus betritt als erster die Kirche
und wird zum Nachfolger des Bischofs ernannt. In dieser seiner Eigenschaft
rettet er drei Heerführern das Leben.
In einer weiteren
Geschichte aus dem Leben des Hl. Nikolaus wird berichtet, dass in jenem
Jahr in Myra eine Hungersnot herrschte. Eine Flotte, die Mais aus
Alexandria nach Byzanz bringen sollte, ankert im Hafen von Myra, Andriake.
Als Nikolaus das hört, begibt er sich sofort zu den Schiffen und erbittet
von jedem Schiff etwas Mais für die Bevölkerung der Stadt. Bei ihrer
Ankunft in Byzanz bemerken die Seefahrer, dass der Mais, den sie nur
ungern dem Hl. Nikolaus überlassen hatten, wieder vollständig auf ihren
Schiffen vorhanden ist.
Zu
Zeiten der das Christentum bekämpfenden Kaiser Diocletian und Licinius
wurde der Hl. Nikolaus ebenso wie viele seiner christlichen Mitbrüder für
einige Zeit ins Gefängnis geworfen. Das im Jahre 325 tagende Konzil von
Nikäa (Iznik) versuchte, die innerhalb des Christentums entstandenen
Streitigkeiten zu lösen; an ihm nahm der Hl. Nikolaus als Erzbischof von
Myra teil. Auf seinem Weg dorthin erweckte er drei Kinder wieder zum Leben,
die man in einen Essigkrug gesteckt hatte; dies berichtet uns ein
Kirchenmann Namens Bonaventure. Der Hl. Nikolaus, von dem man auch glaubt,
dass er der Beschützer von Schülern und Studenten gewesen sei, ist
vermutlich am 6. Dezember 343 in seinem 65. Lebensjahr gestorben. Die
Bevölkerung von Myra ließ in seinem Namen eine Kirche errichten und
bettete den Sarg des hl. Nikolaus dort zur ewigen Ruhe.
Aus Bari kommende Händler,
die sich auf die Pilgerreise nach Jerusalem begeben hatten, stahlen am 20.
April 1087 die Überreste des Leichnams, verbrachten sie nach Bari und
begruben sie in der dortigen Kirche. Ein Teil dieser Überreste, von denen
man glaubt, dass sie die des hl. Nikolaus gewesen seien, befindet sich
heute im Museum von Antalya.
Kirche des hl. Nikolaus:
Die anlässlich des Todes
des hl. Nikolaus errichtete Kirche oder Kapelle wurde im Jahre 529 durch
ein Erdbeben vernichtet; an ihrer Stelle entstand eine größere Kirche im
Basilikastil. Peschlow vermutet, daß die im Süden der großen Apsis
gelegenen beiden kleineren Apsen mit gleichen Ausmaßen sowie das nördliche
Seitenschiff des heutigen Bauwerkes zum großen Teil Überreste dieses
ersten Baus sein könnten. Diese frühe Kirche wurde im VIII. Jh. durch ein
Erdbeben und durch Einfälle der Araber zerstört, aber später wieder
aufgebaut. Im Jahre 1034 wurde sie durch Einfälle der arabischen Flotte
vom Meer her endgültig vernichtet. Aus der Kircheninschrift ist zu
entnehmen, dass die Kirche 10 Jahre lang in einem verwahrlosten Zustand
blieb und schließlich 1042 durch eine Anordnung des byzantinischen Kaisers
Konstantin Monomachos und seiner Frau Zoe wieder aufgebaut wurde. Im XII.
Jh. nahm man Hinzufügungen am Bau vor; später wurde die Kirche nochmals
restauriert.
Myra,
das im XIII. Jh. in die Hände der Türken fiel, konnte sich seine
Religionsfreiheit bewahren; auch ließen die Türken sogar notwendige
Restaurierungsarbeiten an der Kirche vornehmen. Im Jahre 1738 wurde die
neben der großen Kirche befindliche Kapelle instand gesetzt. C. Texier,
der in den Jahren von 1833-1837 Anatolien bereiste, hat auch Myra gesehen
und berichtet in seinen Aufzeichnungen vom Kirchenbauwerk. Etwa 10 Jahre
später, im März 1842, bereisten Leutnant Spratt und Prof. Forbes Myra. Sie
zeichneten die Umrisse der Kirche und berichteten ebenfalls von einem der
Kirche benachbartem Kloster.
Während des Krimkrieges im
Jahre 1853 zeigten auch russische Soldaten Interesse für diese Kirche.
Hier wurde die Gründung einer russischen Kolonie beabsichtigt; zu diesem
Zwecke kaufte man Land im Namen einer russischen Gräfin, Anna Golicia.
Aber da der osmanische Staat diese Angelegenheit unter ihrem politischen
Aspekt betrachtete, waren die Russen gezwungen, das von ihnen angekauftes
Land zurückzugeben. Nur ihrem Wunsch nach einer Restaurierung der Kirche
wurde entsprochen. So wurde im Jahre 1862 ein französischer Architekt
namens August Salzmann damit beauftragt, die Kirche des hl. Nikolaus
wieder instand zu setzen. Aber diese Restaurationsarbeiten wurden so
miserabel durchgeführt, dass dabei der eigentliche Bau zerstört wurde. Der
noch heute bestehende Glockenturm wurde im Jahre 1876 während der o.e.
Restaurationsarbeiten hinzugefügt.
Dem
hl. Nikolaus, der als der Schutzpatron vieler Städte gilt, sind weltweit
mehr als 2000 Kirchen zugeschrieben. Seine Lebensgeschichte und seine
Wunder wurden in vielen Büchern festgehalten. Das älteste dieser Bücher
wurde zwischen den Jahren 750-800 in Byzanz vom Abt des Stadion-Klosters,
Michael, geschrieben.
Nun wollen wir einmal
genauer die Kirche des hl. Nikolaus und ihre architektonischen
Besonderheiten betrachten.
Nach Betreten der Kirche
beschreitet man einen mit Steinen gepflasterten Weg, der nach unten führt.
Zur linken Hand steht die Staue des hl. Nikolaus inmitten von Grünpflanzen.
Südlich der im IV. Jh. hier
angesiedelten Kirche, die nur eine Kuppel trug, wurden im VIII. Jh. eine
kreuzförmige Kapelle sowie weitere Anbauten hinzugefügt. Anbauten an
äußeren und inneren Narthex wurden aber erst in den Jahren 1862-1863
vorgenommen.
Der eigentliche Eingang in
die Kirche befindet sich an der Westseite. Von einem Innenhof, den zwei
Säulen begrenzen, steigt man auf zwei Stufen ins südlich gelegenes
Seitenschiff herab, das einen Anbau aus byzantinischer Zeit darstellt. An
der Ostseite dieses kreuzförmigen Geländes liegt die Apsis, die mit drei
bogengeschmückten Fenstern versehen ist. Noch heute sind die vor der Apsis
gelegenen Altaraufbauten zu sehen. Die Farben in der Apsis-Nische sind
teilweise verblasst, so dass die dort abgebildeten Heiligen nur schwer zue
erkennen und zu bestimmen sind. Das Fresko in der darunter befindlichen
kleinen Nische zeigt den hl. Nikolaus. Hier und in der südöstlichen
Kapelle des eigentlichen Bauwerks sind an der Decke verschiedene Motive
zeigende Mosaikgemälde zu sehen. Die der westlichen Treppe gegenüber
gelegene Nische zeigt Jesus, Maria und Johannes d. Täufer als Fresken.
Der an dieser Stelle
befindliche, noch gut erhaltene Türrahmen führt in den längeren Abschnitt
der kreuzförmigen Kapelle, d.h. in die Grabkammer. Wenn auch die in den
Nischen der Grabkammer befindlichen Fresken heute nicht mehr klar zu
erkennen sind, so kann man doch davon ausgehen, dass es sich dabei um die
Abbildungen verschiedener Heiliger handelt. Ein interessantes Beispiel ist
das Marien-Fresko, das auf den Säulen der ersten in der Nordmauer
befindlichen Nische abgebildet ist. Das Fresko des hl. Nikolaus ist auf
den Säulen der zweiten Nische abgebildet; dies ist aus der
spiegelverkehrten Inschrift abzulesen.
Der der Römischen Periode
zugehörende, mit Akanthusblättern verzierten Sarg in der ersten Nische
wird im allgemeinen dem hl. Nikolaus zugeschrieben. Da dieser auch der
Schutzpatron aller Seefahrer war, kann man auf der Oberfläche des
Steinsarges Dekorationen im Fischschuppen-Muster erkennen. Die Händler aus
Bari, die am 20. April 1087 die sterblichen Überreste des hl. Nikolaus
stahlen, haben dabei den Sarg zerbrochen.
Die Steinsärge in der
gegenüber liegenden Nische sind einfach und ohne Verzierungen gehalten.
Gleich gearbeitete Steinsärge finden sich auch noch in einer anderen,
benachbarter Grabkammer. Von diesen Grabkammern führt eine Tür auf den
Innenhof der Kirche, der mit großen Steintafeln geschmückt ist. Auch der
Innenhof weist zwei Gräber auf, die aber leer sind. Das daneben
befindliche Motiv mit Kreuz und Hirtenstab, in Marmor eingelassen, muss
für den hl. Nikolaus angefertigt worden sein. Die Inschrift über dem in
der linken Mauer befindlichem Grab zeigt das Jahr 1118. Vom Innenhof
gelangt man zuerst in den äußeren Narthex und von dort aus nach Passieren
von drei Türen in den inneren Narthex, der sich auf den Gebetsraum öffnet.
Dieser ist geschmückt mit Fresken, die die Bischöfe in Gruppen zeigen. Der
Gebetsraum öffnet sich zu den mit drei Bögen geschmückten Seitenschiffen.
Südlich anschließend an den Gebetsraum liegen zwei weitere Seitenschiffe.
Vom in der Nische des zweiten Seitenschiffes befindlichem Grab wird gesagt,
dass auch dieses dem hl. Nikolaus gehöre; aber das darüber liegende Relief,
das einen Mann und eine Frau zeigt, negiert diese Tatsache ganz
offensichtlich. Ein weiteres Grab befindet sich in der dem Seitenschiff
gegenüber liegenden Nische. Die Kuppel des nördlichen Seitenschiffes zeigt
Fresken von Jesus und den 12 Aposteln. Im daneben liegenden Seitenschiff
werden Grabungen durchgeführt. Das westlich gelegene Teil dieses
Seitenschiffes weisen drei Räume auf. Das Bauwerk sollte eigentlich von
einer mit Fenstern und Spitzbögen ausgeschmückter Kuppel überdacht sein,
aber die von Salzmann durchgeführten Restaurationsarbeiten haben zur
Abdeckung des Gebetsraumes hier nur Platz gelassen für die Verwendung
eines aus Stein gefertigten, gerippten großen Kreuzgewölbes.
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